Hitachi ZX130 als Schwimmbagger

Geht nicht gibt’s nicht

Als Markus Liegl von der Lieg GmbH einen Schwimmbagger anschaffen wollte, fragte er bei verschiedenen Bagger-Hersteller an, ob sie in der Lage seien, ihre Oberwagen auf ein Ponton-Fahrgestell zu montieren. „Schwierig“, lautete die Antwort. Nur bei der Kiesel GmbH stieß Liegl sofort auf Begeisterung. Denn geht nicht gibt’s hier nicht.

Auch auf moorigen Böden hinterlässt der Hitachi ZX130 mit seinem Ponton- Untergestell wenig Spuren.

Die Liegl GmbH in Laupheim ist im Hochwasserschutz und der Gewässerpflege tätig. Außerdem erledigt der Betrieb Baggerarbeiten, erbringt Winterdienstleistungen und verleiht Baumaschinen. Um das Aufgabenfeld zu erweitern, beschloss Geschäftsführer Markus Liegl, einen Schwimmbagger anzuschaffen. „Wir haben Mähboote und einen Schreitbagger, der allerdings nur bis 1,90 Meter Wassertiefe einsetzbar ist“, erklärt er. Die
Mähboote wiederum können nicht an Land genutzt werden. Die Lösung: ein schwimmender Bagger, der als Amphibien-Fahrzeug sowohl im tiefen Wasser, im Moor und in Feuchtgebieten als auch an Land arbeiten kann.

Begeistert von der Herausforderung

Ein passendes Untergestell fand Liegl auf der bauma 2019. Der finnische Hersteller Remu ist auf Ponton-Untergestelle spezialisiert. Diese können mit Baggern verschiedenster Hersteller ausgerüstet werden. Markus Liegl nutzte die bauma zudem, um verschiedene Baumaschinen-Hersteller zu besuchen. Dort erkundigte er sich nach Möglichkeiten, Oberwagen auf schwimmende Fahrwerke zu montieren. „Ich bin überall auf Skepsis gestoßen – nur bei Kiesel war man begeistert von der Herausforderung.“ Ganz überraschend war das für ihn nicht – beide Seiten verbindet eine langjährige Geschäftsbeziehung. In der Baggerflotte von Liegl befinden sich mehr als ein Dutzend Hitachi-Bagger von Vertriebspartner Kiesel. Vertriebsmitarbeiter Matthias Ortner und Markus Liegl kennen sich sehr gut: „Er hat mir sicher über 15 Maschinen in den letzten
Jahren verkauft“, sagt Liegl.

Gemeinsam mit Ortner und Kiesel-Regionalleiter Siegfried Hildebrand ging es an die Planung des Schwimmbaggers. Damit Liegl nur ein Unternehmen als Ansprechpartner hat, erwarb Kiesel das Big Float-Fahrgestell von Remu. Zusammen wählte man den
passenden Bagger aus. „Meine Vorgaben waren, dass er wegen des Transports nicht breiter als drei Meter und nicht höher als vier Meter sein durfte, sagt Liegl. „Außerdem sollte die Maschine nicht zu schwer sein, weil ich sonst für jede Strecke eine Sondergenehmigung benötigt hätte.“ Das ist der Fall, wenn Fahrzeug und Ladung 40 Tonnen überschreiten.

Markus Liegl an seinem Pontonbagger. Hier im Einsatz bei der Böschungssicherung im innerstädtischen Flussbereich mit einer Seitengrifframme aus dem Hause Movax.

Umbau zum Schwimmbagger

Die Kiesel-Mitarbeiter rieten zum ZX130, der alle Anforderungen an die Maße erfüllt und dabei mit einer Motorleistung von 78,5 kW kraftvoll genug ist, um die Arbeiten im und am
Wasser zu meistern. Sie reichen vom Schilf roden bis zur Gehölzpflege, vom Schlamm baggern bis zum Bohlen ziehen. Damit die Maschine mit dem schwimmfähigen Unterwagen auf Raupen weder an Land noch im Wasser in Schieflage gerät, müssen Schwerpunkt der Maschine und Ausleger zentimetergenau berechnet sein. Der Schwimmbagger zeichnet sich durch die besonders stabile Lage im Wasser bei gefülltem Löffel und gleichzeitig gestreckter Ausrüstung in Längs- und Querrichtung aus. „Ich glaube, außer dem Motor und der Kabine ist nichts so geblieben, wie es war“, erinnert sich Liegl. Der Ausleger wurde komplett abmontiert und verlängert, damit die Gewichtsverteilung bei allen Arbeiten ideal ist. Da Liegl und seine Mitarbeiter häufig in Naturschutzgebieten tätig sind, müssen die dort eingesetzten Maschinen mit Bio- Hydrauliköl betrieben werden. „Der Bagger wurde mit Nebenstromfilter auf Panolin umgeölt“, sagt Liegl.

Um auch im tiefen Wasser einsatzfähig zu sein, können an den Unterwagen weitere Pontons befestigt werden, insgesamt zwei auf jeder Seite. In Fließgewässern sorgen besonders lange Ankerstäbe für Halt im Untergrund. Und mit zwei Bootspropellern kann sich der Schwimmbagger auch über längere Strecken fortbewegen. Die Propeller werden im Wasser auf die gleiche Weise bedient wie das Fahrwerk an Land – auch das ein Umbau der Kiesel-Ingenieure.

Multifunktional mit Anbaugeräten

Die Entscheidung für den ZX130 hat für Liegl einen weiteren Vorteil: er kann alle vorhandenen Anbaugeräte nutzen. „Vor zwei Jahren habe ich einen Hitachi ZX145W mit Stumpenfräse, Mulcher, Astschere und Baumzwicker ausgestattet, die ich verwenden kann.“ Ein Tiltrotator sorgt für maximale Bewegungsfreiheit bei der Arbeit.

Mit dem Schwimmbagger kann Liegl jetzt in Wassertiefen bis neun Meter arbeiten – so weit reicht der Ausleger. Gehölzpflege lässt sich problemlos vom Wasser bewältigen. Durch den geringen Bodendruck sind auch Arbeiten im unzugänglichen Moor möglich. Wo sogar leichte Menschen mit den Füßen einsinken, steht der Bagger immer noch sicher und hinterlässt kaum Spuren.

Wasserwirtschaftsämter und Kommunen zeigen bereits großes Interesse am Einsatzspektrum der Maschine. So viel Überzeugungsarbeit wie er dachte muss Markus Liegl bei potenziellen Kunden gar nicht leisten – der Schwimmbagger von Kiesel ist jetzt
schon ein gefragtes Arbeitsgerät. Seit er im Oktober 2019 den Maschinenpark von Liegl ergänzt, war er schon etliche Male im Einsatz.