Fahrerschulung: Tageskurs bringt das „richtige Gefühl” für neue Maschinen

Baggerzähmen leicht gemacht

Bergmann Kalk betreibt im oberfränkischen Azendorf zwei Kalksteinbrüche. Im Sommer  hat das Unternehmen zwei 70-Tonnen-Bagger von Hitachi für Verladeeinsätze in seinen Steinbrüchen erworben. Doch bevor die PS-Giganten ihre Arbeit aufgenommen haben, wurden die Fahrer im Umgang mit den Maschinen geschult. Denn auch 70-Tonnen-Kraftprotze benötigen Pflege und Verständnis, um ihre Leistung und Stärke optimal ausspielen zu können.

In Azendorf gehören Explosionen zur Tagesordnung – zumindest auf dem Betriebsgelände der Johann Bergmann GmbH & Co. KG (Bergmann Kalk). Das Unternehmen baut in der nördlichen Frankenalb seit 1908 Kalk ab. „Wir produzieren Brandkalk, Kalkhydrat, Kalkmischprodukte und vieles mehr“, sagt Sebastian Groppweis, der gemeinsam mit seinem Vater Hans-Dieter Groppweis das seit über 100 Jahren bestehende Familienunternehmen führt.


1978 gründete Bergmann Kalk mit einem Partner einen Veredelungsbetrieb zur Weiterverarbeitung des gewonnenen Kalks – Franken Maxit. Heute zählt das Tochterunternehmen mit rund 650 Mitarbeitern zu den Top-Anbietern der Baustoffbranche. 1999 hatte Franken Maxit den Dünnbettmörtel erfunden, 2015 brachte das Unternehmen die weltweit ersten Mörtelpads auf den Markt. In verarbeiteter Form ist der Kalk der Firma Johann Bergmann auf den meisten Baustellen in Deutschland in Einsatz.

Vier Kubikmeter pro Ladespiel

Im Sommer 2019 traten zwei neue 70-Tonnen-Bagger ZX690 von Hitachi ihren Dienst in den Steinbrüchen der Firma Bergmann an. Seither verrichten die Maschinen täglich Herkules-Arbeiten. „Die beiden Hitachi verladen das gesamte gesprengte Material zum Abtransport in Muldendumper“, berichtet Harald Bayer, Steinbruchleiter bei Bergmann Kalk.

„Und das tun sie den ganzen Tag.“ Das enge Ladespiel verlangt den Maschinen alles ab. Vier Kubikmeter fassen die riesigen Löffel, pro Ladespiel verladen die Bagger-Giganten mehrere Tonnen Kalkgestein. Bevor die Bagger in Dienst gestellt wurden, kam Thomas Kraus nach Azendorf. Kraus arbeitet als Anwendungsberater für Kunden in ganz  Deutschland. Es gehört zu seinen Aufgaben bei Kiesel, Bediener in neu erworbene Maschinen einzuweisen. „Diesen Service bieten wir allen Kunden, die bei uns eine Hitachi-Maschine kaufen“, so Kraus.
Normalerweise besteht eine solche Maschineneinweisung aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. „Bergmann Kalk hatte uns gebeten, die Einführung auf den Praxisteil zu beschränken“, berichtet Kraus. „Überhaupt kein Problem. Selbstverständlich passen wir unsere Maschineneinweisung an die Wünsche und die besonderen Bedürfnisse des jeweiligen Kunden an“, so Kraus weiter.

Kiesel Mitarbeiter Thomas Kraus beim Fahrertraining am ZX690.

Auch ohne „theoretischen Teil“ war Kraus einen vollen Tag vor Ort. „Das ist die übliche Dauer“, berichtet Maschinenvorführer Kraus. Systempartner Kiesel bietet den Einweisungs-Service zu jedem Neukauf. „So können wir uns selbst versichern, dass die Maschinen sachgemäß und effizient eingesetzt werden. Das ist die Voraussetzung für zufriedene Kunden und es motiviert deren Mitarbeiter“, sagt Udo Löffler, Gebietsverkaufsleiter bei Kiesel.
„Geschult wurden die beiden festen Fahrer der ZX690“, berichtet Steinbruchleiter Bayer. Zwei Tage nach der Übergabe der 70-Tonnen-Kolosse fand die Schulung in den Steinbrüchen des Unternehmens Bergmann Kalk statt.
„Während der Schulung hat man sofort gemerkt, dass Herr Kraus über Experten-
Wissen verfügt“, so Bayer weiter. „Er kannte sich mit ausnahmslos allen Bedienungs-Details aus.“ Selbst die kniffligsten Technik-Fragen der Maschinisten habe Kraus beantworten können.

Die sachgemäße Wartung und Pflege der jeweiligen Maschine ist ein wichtiger Teil der Einweisung

Thomas Kraus

Abhängig von Typ, Modell und Hersteller können hier große Unterschiede bestehen. Kraus hat den Mitarbeitern und dem Steinbruchleiter gezeigt, wie unter anderem die Kraftstoff-, Kondens- und Ölfilter überprüft, gewartet und ausgetauscht werden. „Außerdem wurde vorgeführt, wie man bei den ZX690-Baggern Ad-Blue richtig einsetzt“, so Maschinen-Fachmann Kraus.
Zu jeder Vor-Ort-Fahrerschulung gehören auch Arbeitseinweisungen, die angestimmt sind auf die konkreten Aufgaben, welche die Maschinen beim Kunden erfüllen müssen. „Die optimale Haufwerkshöhe richtet sich nach der Höhe der eingesetzten Baggerlöffel“, berichtet Kraus. Den Bergmann-Mitarbeitern riet er, auf eine Höhe des
Haufwerks von drei bis vier Metern zu achten. „Den Fahrern hat die Schulung Spaß gemacht und sie fühlen sich jetzt im Umgang mit den Maschinen sicher“, berichtet Steinbruchleiter Bayer. Auch Firmenchef Groppweis zeigt sich begeistert von der Maschineneinweisung. Er will seine Mitarbeiter gerne zu weiteren Fahrertrainings der Firma Kiesel schicken. Diese finden mehrmals pro Jahr statt.

Der Platzhirsch im Steinbruch - stolz präsentiert ein Johann-Bergmann-Mitarbeiter seinen "neuen Kollegen".