Kiesel Lehrlinge restaurieren einen über 30 Jahre alten Fuchs 108

Jungkur für den Oldie-Bagger

Eine Ausbildung bei Kiesel bereitet junge Menschen nicht nur auf einen Arbeitsplatz vor. Den Ausbildern liegt daran, praktische Kompetenzen zu entwickeln und auch das Interesse an der Branche an sich zu wecken. Mit der Restaurierung eines Fuchs 108 konnten sich 22 angehende Land- und Baumaschinenmechatroniker intensiv mit der Maschine auseinandersetzen.

Als Mitglied der “Interessengemeinschaft historische Baumaschinen” (IghB) hat sich Daniel Materna von klein auf mit der Restaurierung alter Großgeräte beschäftigt. Kollegen machten den Serviceinspektor der KTEG GmbH auf einen ausrangierten Fuchs 108 aufmerksam, der in der Niederlassung Stockstadt stand. Der desolate Zustand der einst zukunftsweisenden Maschine brachte Materna auf eine Idee: „Während meiner eigenen Ausbildungszeit bei Fuchs haben wir einen Bagger von Grund auf restauriert. Dabei lernte ich viel über die Maschine und die Technik. Daher war für mich gleich klar: Das wird ein Azubiprojekt.“

Gemeinsam mit Andreas Fritz, dem Leiter der technischen Ausbildung, machte er sich daran, den Schatz auf dem Firmengelände zu heben.

 

In die Jahre gekommen - dem Fuchs Bagger vom Typ 108 sah man sein Alter deutlich an.

Die angehenden Land- und Baumaschinenmechatroniker im zweiten Lehrjahr sollten der ramponierten Maschine neuen Glanz verleihen. Neben den technischen Fertigkeiten würde der Nachwuchs zugleich einen Einblick in die Geschichte des Unternehmens erhalten: 1958 hatte Kiesel als Fuchs-Servicestation begonnen. Im Bauboom der Nachkriegszeit eine zukunftsträchtige Entscheidung, denn bereits in den sechziger Jahren zählte Fuchs zu den meistverkauften und beliebtesten Baggermarken der Bauwirtschaft. Der 108er war eine bedeutende Weiterentwicklung des Portfolios und eroberte zu Beginn der 1990er deutsche Baustellen.

Und so startete Mitte Juli das große Kiesel Azubi Projekt: Auch auf den Social-Media-Kanälen der Firma, allen voran auf Instagram unter #kieselkarriere konnten alle Interessierten seitdem nachverfolgen, wie die 22 Auszubildenden im zweiten Lehrjahr Stück für Stück den Fuchs 108 neu auferstehen ließen. „Wir haben die Azubis in fünf Arbeitsgruppen eingeteilt“, erklärt Fritz. „Jede Kleingruppe durfte jeweils eine Woche lang Hand anlegen.“

Und zulangen musste die erste Gruppe gleich richtig: Es galt, den alten Fuchs komplett zu zerlegen. „Erweiterter Service nennen wir das“, lacht Fritz. „Es wurde geschweißt, geschmirgelt und lackiert. Was ging, haben wir in Eigenleistung gemacht.“ Während Fritz selbst nicht immer vor Ort dabei sein konnte – er betreut die Auszubildenden bundesweit an mehreren Standorten – stand Restaurierungsexperte Materna in Stockstadt den jungen Männern mit Rat und Tat zur Seite. „Aus meinem Hobby weiß ich: Manches Ersatzteil kann man nicht mehr nachbestellen. Entweder kann man das dann reparieren, oder man muss Alternativen finden.“

Ihre Kreativität konnten die Azubis gleich in der zweiten Woche unter Beweis stellen: Das Zerlegen der Leitungen und Bolzen machte Schwierigkeiten.

Mit Geduld und Spucke sowie dem ein oder anderen Profitipp von Materna war der Fuchs endlich zerlegt, es konnte ans Lackieren gehen. Anschließend musste das Puzzle wieder zusammengesetzt werden. Hydraulikschläuche erneuern, Buchsen und Dichtringe austauschen, Dämmmaterialien anbringen... Die guten Beziehungen innerhalb der Baubranche machten sich jetzt auch bezahlt: „Überrascht hat uns, wie viele Zulieferer sich als Sponsoren beteiligt haben: die Maschinenbaufirma Alois Kühbeck GmbH, Art Vinyl Werbe-technik GmbH, Schmitz Hydraulikzy-linder, Hansa Flex, Certex und Unsinn Fahrzeugtechnik haben uns unterstützt“, bedankt sich Materna.

Dann kam die Stunde der Wahrheit: Nur einen Monat nach Beginn der Res-taurationsarbeiten wurde der Motor erstmals wieder gestartet! Nachdem alle Lampen verkabelt waren und der In der komplett überholten Kabine nimmt man nun wieder gerne Platz. Umlenkarm montiert, blieben nur noch Kleinigkeiten zu richten, die bis zum Ende der Projektlaufzeit, gegen Ende Oktober erledigt wurden.

 

„Ihr Ziel haben unsere Azubis erreicht: Die Maschine ist in einem tadellosen Zustand. Zudem haben wir ihnen die Grundlagen und Anfänge der Baumaschinen vermittelt. Ich denke, auch da waren wir erfolgreich“, lobt Fritz. „Bei Kiesel denken wir doppelt nachhaltig: Zum einen bilden wir unsere Azubis so aus, dass sie als Facharbeiter einen Mehrwert für unser Unternehmen darstellen. Daher ist es uns extrem wichtig, dass bereits in der Ausbildung die nötigen Fertigkeiten vermittelt werden, die es später im Berufsalltag braucht. Zum anderen wollen wir auch nachhaltig arbeiten: Statt immer gleich neu zu bestellen, kann man vielleicht auch instand setzen. Das schont Ressourcen und spart Geld.“

Diese Lektion haben die 22 Lehrlinge definitiv mitgenommen. Bei einem gemeinsamen Grillfest feiern sie mit allen Beteiligten den erfolgreichen Abschluss ihres Projekts, das übrigens Schule machen soll: So begeistert waren alle Beteiligten, dass man bei Kiesel überlegt, solch ein Restaurierungsprojekt in den Ausbildungsplan mit aufzunehmen.

„Die Azubis haben tolle Arbeit geleistet“, schließt Fritz. „Sehr wertvoll war aber auch der Beitrag der Geschäftsleitung, die das Projekt so bereitwillig unterstützt hat.“ „Das war in der Tat ein großer Vertrauensvorschuss“, ergänzt Materna. JH

 

"ES GAB ERSTAUNLICH VIELE PARALLELEN ZU DEN HEUTIGEN MASCHINEN - DAS HAT MICH AN DEM PROJEKT AM MEISTEN FASZINIERT."

Matthias Rehm, Auszubildender NL Geisingen