Interview mit KTEG-Geschäftsführer Dominik Erath

Die Baumaschinen-Manufaktur

Bereits zum dritten Mal als Aussteller auf der Weltleitmesse bauma – die KTEG, ein vollwertiges Mitglied der Kiesel Unternehmensgruppe.
Als Kiesel im Jahr 2013 zur bauma erstmals als eigenständiger Hersteller von Baumaschinen und nicht länger lediglich als Händler auftrat, staunte die Branche nicht schlecht. Kaum ein Branchenkenner traute dem Team um Visionär Toni Kiesel zu, sich langfristig im eng besetzten Markt für Baumaschinen etablieren zu können. Zur bauma 2019 steht der Beweis: KTEG ist eine beständige Größe im deutschen Markt und die Marken Multi Carrier und Lift Star fest verankert, wenn es um hoch spezialisierte Lösungen geht.

Eines der Zugpferde aus dem Stall KTEG - der KTEG Lift Star (KLS)

 

Um die steigende Nachfrage der weiterhin boomenden Bauwirtschaft in Europa bedienen zu können, arbeitet KTEG permanent an der Neu- und Weiterentwicklung seiner Produkte und geht bei Entwicklung sowie Produktion neue Wege. So gründete KTEG mit dem langjährigen Kiesel-Partner Hitachi ein Joint Venture, das die Entwicklungsarbeit im Bereich des Spezialmaschinenbaus künftig bündelt und optimiert.

Seit 2017 leitet Dominik Erath, profunder Branchenkenner und langjähriger Weggefährte von Toni Kiesel, die KTEG als Geschäftsführer. Erath strukturierte zahlreiche Arbeitsabläufe bei KTEG um, sorgte für schlanke Organisationsstrukturen und gewann europaweit neue strategische Geschäftspartner.

Dominik Erath ist seit 2017 Geschäftsführer bei KTEG, einem Mitglied der Kiesel Unternehmensgruppe.

 

Im Interview gibt Dominik Erath einen Ausblick auf das zur bauma präsentierte KTEG-Portfolio und spricht über die Entwicklungs- und Fertigungsphilosophie des Unternehmens.

 

Herr Erath, warum KTEG? Gab es nicht bereits genug Baumaschinenhersteller am Markt?

Dominik Erath: Es gab und gibt mit Sicherheit mehr als genug Hersteller konventioneller Baumaschinen auf der Welt. Doch KTEG bietet keine Lösungen von der Stange. Wir verkörpern das Motto „Alles andere als Standard“. Wir entwickeln und fertigen kundenindividuelle Spezialmaschinen für alle Anwendungen in Abbruch, Bau und Umschlag auf Basis von Serienmaschinen. Inzwischen gehören wir in diesem Bereich  zur deutschen Spitzen-Liga. Aber aus unserer Sicht ist das Erreichte lediglich eine Durchgangsstation. Wir arbeiten an der konsequenten Fortsetzung  dieser Entwicklung.

Wie läuft die Fertigung bei KTEG ab? Und was ist Ihre Philosophie dahinter?

DE: Wer Toni Kiesel kennt, weiß, dass er ein wahrhafter Visionär ist. Mit KTEG  hat er nie das Ziel verfolgt, einen weiteren klassischen Hersteller aufzubauen. Deshalb unterhalten wir keine „klassische Bagger-Fabrik“ wie andere große Hersteller. Riesige Werkshallen mit beeindruckend langen Produktionslinien, wo tagein, tagaus standardisierte Maschinen „vom Band laufen“, suchen Sie bei uns vergeblich. Wir fertigen aus unserem Baukastensystem nach Kundenwunsch individuell angepasste „Spezial-Maschinen“. Jede von ihnen ist auf das Anforderungsprofil des jeweiligen Käufers zugeschnitten. Wir fragen nicht: „Welche Maschine hätten sie gern“. Sondern: „Welche Aufgaben wollen Sie damit lösen?“. Das ist eine grundlegend andere Herangehensweise. Denn nur so können wir unsere Maschinen so ausstatten, dass sie die konkreten Erfordernisse perfekt erfüllen, die der Geschäftsbetrieb des Kunden stellt.
Zu diesem Konzept passt keine „klassische“ Baggerfabrik mit standardisierten Maschinenmodellen in großen Stückzahlen zu fertigen. Äußerst selten findet ein Kunde am Ende einer Produktionslinie die für ihn ideale Maschine. Wir betreiben an mehreren Standorten kleinere Fertigungs-Einheiten, in denen wir die georderten Maschinen den Wünschen des Kunden entsprechend – quasi im Manufakturbetrieb – herstellen. Dazu verwenden wir als Basis eine Standardmaschine, in den meisten Fällen eine aus dem Hause Hitachi. Im KTEG-Sortiment steht für jede Aufgabe aus den Bereichen Abbruch, Umschlag und Spezialtiefbau eine Basismaschine mit passender Leistungsstärke parat. Fahrwerk und Fahrerkabine können dem Einsatz entsprechend dazu kombiniert werden.

Die Abbruchbagger-Serie von KTEG besteht aus 14 Modellen. Das ist weltweit die breiteste Modellreihe im Bereich Abbruchbagger.

 

In welcher Gewichtsklasse spielen Maschinen von KTEG mit?

DE: Angefangen haben wir im Bereich von 30 Tonnen. Unser KMC400 – früher KMC350 – ist das Herzstück des Sortiments. Inzwischen sind wir aber in jeder Klasse vertreten. Das fängt an bei Mini- und Kompaktmaschinen und geht inzwischen hinauf bis in Bereiche von 160 Tonnen (Gewicht der Basismaschine). Der KMC1600 wird übrigens eines der Aushängeschilder unseres bauma-Auftrittes in diesem Jahr sein. Ausgestattet mit einer 60 Meter Tele-High-Reach-Ausrüstung werden ihn die Messebesucher schon von Weitem sehen können.

Was ist das Besondere am Prinzip KMC?

DE: Das ist der problemlose und schnelle Ausleger- und Anbaugeräte-Wechsel. Dank des vollhydraulischen Schnellwechselsystems Boom Quick Connect ist der Fahrer in der Lage,  den Ausleger der Maschine minutenschnell zu wechseln, ohne dabei die Kabine verlassen zu müssen. Selbstverständlich gilt das Gleiche für das Anbaugerät. Auch hier verschafft der vollhydraulische Schnellwechsler entscheidende Vorteile. Dieser unkomplizierte Wechsel verwandelt eine Erdbaumaschine im Handumdrehen in einen Abbruchbagger. Ein- und Austransporte, Rüstzeiten oder das Versetzen von Maschinen werden auf ein Minimum reduziert oder entfallen gänzlich.
Neben höchstmöglicher Effizienz setzen wir auch in punkto „Arbeitssicherheit“ absolute Standards. Nicht zu vergessen natürlich das Plus an Hubkraft, über das die Maschinen dank unserem patentierten System Tritec verfügen. Der dritte Hubzylinder wird bei Bedarf zugeschaltet und bringt bis zu 50 % mehr Leistung. So dringt die Maschine in der Hinsicht in die nächsthöhere Tonnageklasse vor. Übrigens wächst auch der Katalog der verfügbaren Ausleger dabei stetig. Das ist ein bisschen wie bei einem „Schweizer Taschenmesser“: wir haben für jeden Einsatzbereich die passende Lösung.

KTEG bietet auch Maschinen zum Einsatz in der Recycling- und Kreislaufwirtschaft.

In welchen Ländern kann ich als Kunde KTEG-Maschinen erhalten?

Dominik Erath: Wir sind mit unseren Maschinen in ganz Europa tätig und setzen hierbei unter anderem auf die langjährigen und engen Beziehungen zu anderen europäischen Hitachi-Händlern. Innerhalb dieser Partnerschaften ergeben sich immer BAUMA 2019 wieder interessante Ansätze für neue Produkte. So wurde beispielsweise die Entwicklung unserer batteriebetriebenen Mini-Bagger maßgeblich durch dieses Netzwerk mit auf den Weg gebracht. Die beiden Modelle, die wir dieser Tage in München der Öffentlichkeit vorstellen, entstammen der engen Vernetzung zwischen Marktwissen, Herstellerkompetenz und strategischen Partnerschaften. Zu diesem Zweck wurde Ende 2018 das „European Application Center (EAC)“ mit Hitachi und KTEG als gleichberechtigte Partner gegründet. Hier bringt jede Partei ihr spezifisches Fachwissen ein. Zudem können wir so unsere Aktivitäten noch besser aufeinander abstimmen und bündeln. Schließlich haben wir alle das gleiche Ziel: Die Zufriedenheit unserer Kunden.


Herr Erath, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.